Exkursion nach Kopenhagen vom 01.09. – 03.09.2017

Kopenhagen, die Hauptstadt von Dänemark, Residenz der dänischen Königin sowie Parlamentssitz ist in Skandinavien mit Ihren vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten (kleine Meerjungfrau, Tivoli, Schloss Christiansborg usw.) und Ihrer unübertroffenen Atmosphäre ein beliebtes Ziel für Touristen und wurde in diesem Jahr vom AIV Düsseldorf als weiterer Bestandteil in der mittlerweile langen Reihe von Architekturexkursionen aufgenommen. Doch sollte sich die Tour 2017 deutlich von den vergangenen Reisezielen Utrecht, Maastricht und Lüttich (Tagestour) sowie Hamburg, Rotterdam und Frankfurt (Exkursionen mit einer Übernachtung) unterscheiden. Nicht nur, daß diesmal zwei Übernachtungen sowie die An- und Abreise mit dem Flugzeug geplant waren und es mithin eine Menge zu organisieren gab. Es war keineswegs klar, ob eine solch aufwendige Reise überhaupt von unseren Mitgliedern gut angenommen und ein bereits im Vorfeld geblocktes Zimmer- und Flugkontingent ausgeschöpft werden würde. Glücklicherweise verflüchtigten sich derartige Gedanken schnell, denn nach Ankündigung des Ziels steigerten sich die Anmeldezahlen von Tag zu Tag auf eine Gruppenstärke von 43 Personen (wobei zwei Mitglieder zusätzlich vor Ort dazustossen sollten) und die Mindestteilnehmerzahl war voll erreicht.

Selbst die frühe Abflugzeit vom Düsseldorfer Flughafen (6:10 Uhr) und das noch frühere Rendezvous am Gate (5:30 Uhr) schreckte keinen der Architekturinteressierten. Im Gegenteil, alle waren pünktlich, gut gelaunt und voller Vorfreude; allerdings auch etwas müde, wobei sich dieser Umstand von einigen während des etwa einstündigen Fluges gut kompensieren ließ. Vor Ort machten wir unsere erste Bekanntschaft mit einem voll automatisierten Flughafen, bei dem das Personal wie auch bei der U-Bahn Kopenhagens auf ein Minimum reduziert wurde. Tatsächlich gibt es sogar in den Zügen weder Zugführer noch Schaffner und dennoch klappt alles hervorragend: Die Bahn ist pünktlich und befindet sich in einem sehr guten Zustand. Somit gab es keinen Anlass zur Klage.

Im Hotel angekommen (Wakeup, Nähe Nyhavn), setzte sich der Anfangseindruck einer stilvoll reduzierten, fast schon spartanischen Umgebung fort, in der das „dänische“ Design eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Doch was benötigt man schon außer einem vernünftigen Bett, einer sauberen Dusche und einem Dach über dem Kopf in einer der teuersten Städte Europas? Die Zimmer sollten ohnehin nicht der bevorzugte Aufenthaltsort der Reise werden und wurden erst später am Tag in Beschlag genommen. Zu dieser frühen Stunde war für alle Mitglieder eine erste individuelle Erkundung angesagt, die manche von uns u. a. zur Sølvgades Skole, vor die Nationalgallerie, zu Schloß Rosenborg, der Dreifaltigkeitskirche sowie zur Kathedrale Kopenhagens (Vor Frue Kirke) führte.

Zum Mittagessen traf sich die gesamte Gruppe in einem Smørrebrød-Restaurant (Restaurant M). Glücklicherweise waren die typisch dänischen Essenplatten vorbestellt, denn es war lecker und sättigend, allerdings für viele unmöglich per Speisenkarte zu definieren. Ergänzt um ein regionales Bier (Hell und Dunkel) fiel es jedem Teilnehmer dann auch leicht, sich in sein (in diesem Fall glückliches) Schicksal zu fügen.

Der anschließende Verdauungsspaziergang führte in Richtung Nyhavn, mit Blick auf das Schauspielhaus und die Oper, über die Inderhavnsbroen zum Architekturbüro COBE, wo uns eine deutschsprachige Mitarbeiterin Einblicke insbesondere in das Kopenhagener Riesenprojekt „Nordhavnen“ gewährte. Danach ging es immer weiter und wurde immer interessanter, denn es folgte eine zweistündige Bootstour, fachkundig begleitet von Anne Faurshoiv Hutschon und Ihrem kuriosen Deutsch mit stark dänischem Einschlag. Zunächst schipperten wir gemütlich in den Sydhavnen, vorbei an Den Sorte Diamant (der Dänischen Königlichen Bibliothek auf der Insel Slotsholmen) und unzähligen, höchst interessanten, meist sehr „stylish“ designten Bauwerken bis zur Sjællandsbroen, dann wieder in nördlicher Richtung nach Nordhavn mit einem entfernten Blick auf die futuristische Müllverbrennungsanlage (auf deren Dach zumindest noch nicht Ski gefahren wird) und für alle mit exzellenten Augen einem noch entfernteren Blick auf Malmö.

Nach einem kurzen Aufenthalt zur Erfrischung ging es dann am Abend zum gemeinsamen Dinner in das Restaurant Almanak – The Standard, auch hier wieder bestens vorbereitet vom Organisationsteam! Ein optimaler Ausklang des ersten, sehr langen Tages mit guten Gesprächen und dem Blick in zufriedene Gesichter. Was sollte uns denn jetzt noch nach so viel inspirierender Architektur an den nächsten Tagen erwarten? Die kurze Antwort: So einiges!

Zunächst fuhren wir am folgenden Tag mit der U-Bahn in Richtung Studentenheim Tietgenkollegiet, einem Rundbau in absoluter Stille, obwohl hier viele junge Leute auf engstem Raum miteinander leben. Selbst das in der Nachbarschaft gelegene Boligslangen, eine Art Sozialbau mit Eigentumsanteil, stört diese Ruhe in keinster Weise. Ganz im Gegenteil ist dieses Viertel, wie im Übrigen ganz Kopenhagen, so gut wie frei von Graffitis an den Wänden und Dreck auf der Erde. Entspanntes und rücksichtsvolles Miteinander scheint hier an der Tagesordnung zu sein, gestört allerhöchstens durch Touristen oder Schlachtenbummler, die Ihre Fußballmannschaft begleiten (am Abend vorher hatte Polen in Kopenhagen gegen Dänemark 4:0 verloren), oder gegebenenfalls durch den Lärm der Bautätigkeit, sobald wieder einmal moderne Architektur entsteht. Und davon gab es weiterhin viel zu sehen: Die Gebäude des Dänischen Rundfunks. Die Kopenhagener Konzerthalle, ganz in schwarz mit einer dreidimensionalen, verchromten, übergroßen Note davor. Die U-Bahn, oft benutzt, aber eben teilweise nicht „U-Bahn“ sondern gut funktionierende, pünktliche „Ü-Bahn“. Das Bella Sky Hotel, äußerst ungewöhnlich in der Form und beileibe nicht jedermanns Geschmack, aber immerhin Skandinaviens größtes Hotel mit einem weiten Blick über die Region. Die VM Hoeses mit einem nahezu durchsichtigen Wohnkonzept, welches der deutschen Mentalität sicherlich nicht entspricht, aber immerhin über ein extremes Balkondesign verfügt. Dem Mountain Dwelling, bei dem Wohnen und Parken in einem wie ein Hügel ansteigendem Komplex untergebracht wurden. Und 8 Tallet, wo unsere Gruppe in eine Art Kinderfest stolperte, die friedliche Atmosphäre in sich aufnahm und die hier beschriebenen, aber auch nicht erwähnten Fassaden und Gebäude noch einmal rekapitulierte. Fraglos war alles Gesehene interessant, aber nicht uneingeschränkt erstrebenswert. Denn wenn auch der Überraschungseffekt fast nicht abriss, so entgingen dem aufmerksamen Beobachter nicht die selbstverständlich ebenfalls vorhandenen Bausünden, die teilweise nachlässige Ausführung oder die manchmal nicht gründlich durchdachte Machbarkeit bzw. Berechnung der Statik (insbesondere bei den Balkonen).

Nach so vielen unterschiedlichen Eindrücken blieb auch Zeit für den Einzelnen und viele sorgten zunächst für das leibliche Wohl (u. a. mit dänischer Pizza, einer Köstlichkeit, die nicht viele kannten), um im Anschluß weiterhin durch Kopenhagen zu schlendern und diese wunderschöne Stadt zu erleben. Der gemeinsame Abend klang im Restaurant Hummer aus und wurde in einer der vielen Bars im Nyhavn beschlossen.

Die individuelle Gestaltung des Programms setzte sich am Tag der Abreise fort. Die AIV-Mitglieder konnten und wollten dennoch ein gelegentliches Aufeinandertreffen nicht verhindern, und so kamen einige an Schloß Marienborg zusammen und bewunderten die nicht unweit liegende Königsyacht. Wieder andere hatten sich ein Boot gechartert, schipperten durch die Kanäle und ließen sich ein verspätetes Frühstück bei nunmehr drei Tagen besten Wetters in Folge schmecken. Nur nicht allzu viel Architektur – die Überdosis der Tage davor hatte gesessen! Später fand sich die komplette Gruppe am „vollautomatischen“ Flughafen ein, erledigte noch kurz den Kauf diverser Mitbringsel und bestieg zu guter Letzt den Flieger nach Düsseldorf mit einem festen Vorsatz: Diese Stadt muß man wieder sehen!!!