Gründung

38 Mitglieder gründeten 1893 den AIV Düsseldorf.

Am 12. Juli 1893 wurde der Architekten- und Ingenieurverein zu Düsseldorf gegründet.
38 Architekten, Ingenieure und Baubeamte hatten sich zusammengefunden, einen Monat später hatte der Verein bereits 52 Mitglieder. Im September des Gründungsjahres erfolgte die Aufnahme des Düsseldorfer Vereins in den Verband Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine.

Von Beginn an standen die fachübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Baudisziplinen und die Förderung bautechnisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit. Darüber hinaus wurde stets Wert darauf gelegt, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder durch gesellige, gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen zu pflegen. In guter rheinischer Manier gehörte die Einrichtung eines Festausschusses zu den frühen Entscheidungen des noch jungen Vereins.

Von Beginn an vielfältige Fachthemen

Eine Auswahl der Vorträge, die der AIV in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts anbot, zeigt die Bandbreite und die Vielfalt der Fachthemen auf, mit denen sich der Verein von jeher befasste: Die Bauten der italienischen Frührenaissance standen ebenso auf dem Veranstaltungsprogramm wie der Standort des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, das neue preußische Wasserecht oder die Stadtentwicklung Straßburgs; ägyptische Kunst war ein Thema, aber auch die Verwendung des Eisens im Hochbau oder die Eigenschaften der verschiedenen Mörtelarten.

Diese Themenauswahl aus der Gründerzeit des AIV Düsseldorf steht – bis heute – für das selbst gesetzte Ziel des Vereins, das Bauwesen und die Baukultur in ihrer großen Bandbreite darzustellen und zu vermitteln. Zwanglose abendliche Treffen (ab 1898 im Malkasten) dienten dazu, das persönliche Kennenlernen über die beruflichen Belange hinaus zu fördern.

Fortbildung als Leitgedanke

Zur Fortbildung wurden gemeinsame Besuche von Messen und Ausstellungen organisiert, sei es die rheinisch-westfälische Baufachausstellung (1895), die Ausstellung für Heiz- und Lüftungsanlagen (1897) oder die Kunst- und Gartenausstellung (1904).

Die Mitglieder des Architekten- und Ingenieursvereins beteiligten sich einzeln oder auch gemeinsam an Wettbewerben. Drei von ihnen waren beispielsweise Preisträger beim Wettbewerb zur Ausgestaltung der Altstadt (1896). Die Mitgliederzahl stieg stetig von 66 im Jahr 1901 bis auf 134 im Jahr 1918.

Beleg der Vergangenheit

Bisher gab es keine Belege dafür, dass unser Verein im Jahre 1893 gegründet wurde. Das hat sich mit vorliegendem Dokument geändert, welches in diese Zeit hineingeht: Die historische Urkunde aus dem Jahr 1898 zur Ehrung von Franz Deckers als Ehrenmitglied des Architekten- und Ingenieur-Vereins Düsseldorf.  

Urkundentext:
Aus Anlass
50 jährigen baukünstlerischen Schaffens
Ernennen wir
Den rheinischen Meister
Franz Deckers zum Ehrenmitgliede
Des Architekten-und Ingenieur-Vereins
Zu Düsseldorf
Im Juli 1898.”

Mehr zum Leben und Werk von Franz Deckers finden Sie hier.

 

AIV-Mitglieder gestalteten die GESOLEI mit

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fehlten der Wirtschaft, durch Reparationskosten belastet, die Mittel für Investitionen – die private Bautätigkeit jener Zeit war nicht nennenswert. Das änderte sich schlagartig nach Ende der Hyperinflation 1923 und der französischen Besatzung (1925). In Rekordzeit wurden die Gebäude für die „Gesolei“ 1926 hochgezogen. AIV-Mitglieder waren daran beteiligt. Heute erinnern noch Ehrenhof und Rheinterrasse an diese Leistung.

In der Blütezeit bis zur Weltwirtschaftskrise 1931 baute die Stadt Düsseldorf Wohnungen für 60.000 Menschen, 1927 wurde ein neuer Generalbebauungsplan vorgestellt. Architekten und Bau-Ingenieure hatten alle Hände voll zu tun: Breitere Ausfallstraßen, neue Rheinübergänge, schnelle öffentliche Nahverkehrsverbindungen, größere Hafenanlagen und zusätzliche Verwaltungsgebäude wurden gebaut.

Gleichschaltung in der Nazizeit

Ab 1933 griff die Gleichschaltungspolitik ins Vereinsleben ein. AIV-Vorsitzende mussten Parteigenossen sein, zahlreiche Mitglieder zogen sich aus der aktiven Mitwirkung zurück.

Das AIV-Eigenleben erlosch nach und nach, zusammen mit anderen Verbänden wurde der AIV 1938 in die Gesellschaft für Bauwesen überführt, die wiederum der Reichskammer für Bildende Künste unterstellt war. Dennoch diente der Verein auf lokaler Ebene weiterhin als Plattform des Meinungsaustauschs der unterschiedlichen Sparten der am Bau Beteiligten.

Das Vereinsheim (an der Steinstraße) wurde im Krieg bei einem Luftangriff zerstört, das Archiv des AIV war unwiederbringlich verloren.

Neuaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Unmittelbar nach Kriegsende unterband die britische Besatzungsmacht jedwede Vereinstätigkeit, doch bereits am 24. Oktober 1945 trafen sich zehn ehemalige Mitglieder, um einen neuen Anfang des Architekten- und Ingenieur-Vereins „in seiner Form vor 1933“ in die Wege zu leiten.

Anfang 1947 zählte der Verein 52 Mitglieder. Wiederaufbau und Themen wie Trümmerbeseitigung und –verwertung bestimmten die Tagesordnung der AIV-Sitzungen.

Die 50-er Jahre mit Licht und Schatten

Parallel zur Anfang der 50-er Jahre einsetzenden Bautätigkeit ging es auch mit dem AIV aufwärts. Fortschritte in der Bautechnik (Spannbeton; Flachdächer) gehörten zu den Vortragsthemen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Praktikern im AIV und den Planern im Rathaus blieb ein wesentliches Ziel, fand aber nicht mehr in der Intensität wie in den Gründerjahren des AIV statt. Entscheidungen über die städtebauliche Entwicklung fielen, nach innerparteilichen Diskussionen, vermehrt in politischen Gremien. Zudem stellten die berufsständischen Einzelverbände der Architekten und Ingenieure die Bedeutung des fachübergreifenden AIV in Frage.

1968 zählte der Verein 146 Mitglieder, elf Jahre später waren es nur noch 115.

Die 80-er: Der AIV öffnet sich

Anfang der 80-er Jahre gelang dem AIV Düsseldorf die Wende vom traditionsorientierten Bau-Zirkel zu einer zukunftsorientierten Gemeinschaft der Bau-Elite. Modernes Vereinsmanagement, Konzentration auf zeitgemäße Themen und die Gewinnung junger Mitglieder läuteten einen neuen Aufschwung ein. Ein attraktives Veranstaltungsprogramm lockte bis zu 400 Teilnehmer zu Seminaren und Vorträgen.

Der Verein erweiterte und öffnete sich, Frauen eroberten einstmals „männliche“ Berufe, so dass die ersten weiblichen Ingenieure aufgenommen wurden. 1993, hundert Jahre nach der Gründung, hatte der AIV Düsseldorf 230 Mitglieder.